11th international Forum of Daseinsanalysis Zürich 2. Juni 2023, Charlotte Aigner
(English Version Below)
Laudatio für Johann Georg Reck
Mein lieber Hansjörg, sehr verehrte Zuhörende!
Mir kommt heute die große Ehre zu, eine Rede zu Ehren von Johann Georg Reck anlässlich seines 85. Geburtstags zu halten.
Ein so langes Leben zu würdigen bedeutet nicht nur, zu erinnern, aufzuzählen was war: Erlebnisse, Verdienste, den Werdegang, sondern es bedeutet auch in der Besinnung auf das, was gewesen ist, was wir miteinander geteilt und erlebt haben, im Gewahr werden dessen, wie es uns beeinflusste und prägte und zu dem beiträgt, wer wir sind, auch und besonders auf die Wirkung zu sehen, die du mit deinem Leben, deiner Arbeit und deinem Brennen für die Daseinsanalyse auf uns hattest und weiter hast.
An Tagen wie dem heutigen, wo wir auf einmal auf die Lebenszeit, die hinter uns liegt, zurückschauen, wird uns etwas bewusst. Wir staunen über die seltsame Eigenschaft der chronologischen Zeit, die die vergangene Strecke in Windeseile vorübergegangen erscheinen lässt. Sehen wir aber, mit mehr Aufmerksamkeit und Sammlung, auf die Zeitlichkeit des Daseins, werden wir uns dessen bewusst, dass das Gewesene, das Gegenwärtige und das Kommende gleichursprünglich und immer da sind. Es geht schlicht um die Zeit, die wir haben, die uns gegeben ist, und während der wir vom Sein als Erscheinungsstätte gebraucht werden. Das Sein braucht uns jetzt, wo wir älter werden nicht weniger als mit zwanzig oder dreißig, nein, ich denke, in diesem Sinn gibt es eigentlich überhaupt kein Alter, das Er-eignis waltet unverbrüchlich bis zu unserem letzten Atemzug, und so lange stehen wir auch in dessen An- und Zuspruch, verhalten uns dazu, aus dem Sein zum Sein.
Um dein langes Tätig-in-der-Welt-Sein zu würdigen, mögen dennoch zuerst einige Worte zu deinem Werdegang geboten sein. Du wurdest am 4.Mai 1938 in Kempten im Allgäu in eine bewegte Zeit hinein geboren, denn etwas mehr als ein Jahr später, im September 1939, begann der 2. Weltkrieg und zum Zeitpunkt der bedingungslosen Kapititulation war dein siebenter Geburtstag erst wenige Tage vorüber. In diese Zeitspanne fällt auch die, für die Daseinsanalyse so wesentliche erste Begegnung von Medard Boss mit Martin Heideggers Werk „Sein und Zeit“, welches er im Krieg auf seinem Posten studierte.
1947 - du warst ein Schulkind - schrieb er dann den ersten Brief an Heidegger, „der freundlich antwortete und um kleine Schokoladenpäckchen bat“, die dir wahrscheinlich damals auch gefallen hätten.
1949, du warst elf, kam Medard Boss, erstmals nach Todtnauberg. Zwischen Martin Heidegger und ihm entwickelte sich aus der Brief-Partnerschaft eine herzliche Freundschaft, die aus daseinsanalytischer Sicht, ihren Höhepunkt in den 10 Jahren, 1959 -1969, der regelmäßig in Boss‘ Haus stattfindenden Zollikoner Seminaren fand. Martin Heidegger schätzte die Freundschaft zu diesem Arzt, der von seinem Denken so angesprochen war und es zu verstehen schien. Medard Boss meinte wiederum, Heidegger habe die Möglichkeit gesehen, „dass seine philosophischen Einsichten nicht nur in den Stuben der Philosophen stecken bleiben, sondern viel zahlreicheren und vor allem auch hilfebedürftigen Menschen zugutekommen können.“[1]
Ende der 60er Jahre, du warst noch nicht fertig mit der Kinderheilkunde-Ausbildung, wurde auf einer Tagung in Veyvey am Genfer See dein Interesse für die Kinderpsychiatrie geweckt. Dein Angsprochensein von seelischen Vorgängen hatte dich das ganze Studium über schon begleitet und steigerte sich während der Pädiatrie-Ausbildung, wie du schreibst, „insbesondere bei der Arbeit mit Säuglingen, die noch nicht sprechen konnten, aber einen doch ansprachen. Was ging in ihnen vor, wenn sie uns anlächelten, plauderten, schrien?“ Konnte man dies verstehen mit den herkömmlichen wissenschaftlichen Methoden? Du fragtest dich, ob man nicht ihre averbale Rede als Antwort verstehen könne, wie jede Rede“ und daher auch darauf zu schauen war, wie der Zuspruch aussah, auf den dies die Antwort war. Dies brachte die Beziehungen der Säuglinge in den Blick, ihre nächsten Bezugspersonen. Du schreibst, auf diesem Weg zur Daseinsanalyse gekommen zu sein, die „statt zu objektivieren, die Dinge von sich selbst her sprechen lässt.[2]
Als fertiger Pädiater, 1972, entschiedest du dich für die Kinderpsychiatrie. Medard Boss Grundriss der Medizin und Psychologie kam dir in die Hände. Das Provokative daran sprach dich an, denn von der Wissenschaft geprägt, wie du es damals warst, fühltest du dich herausgefordert. Es gefiel dir wie Boss sich in die Welt der Patienten und Patientinnen hineinbegab, statt von außen zu urteilen oder zu objektivieren. Du achtetest auf die Fußnoten mit den Verweisen auf Sein und Zeit, besorgtest dir auch dieses Buch und hörtest nun abends Vorlesungen bei Friedrich Wilhelm von Herrmann in Freiburg.
Wie mehr als 20 Jahre zuvor Medard Boss an Martin Heidegger, schriebst du nun einen Brief an Medard Boss und fragtest ihn nach seiner Ansicht über die Kinderpsychiatrie in der Daseinsanalyse. Boss zeigte sich offen und interessiert, lud dich nach Zürich ein und bewegte dich dazu, eine Lehranalyse bei ihm zu beginnen. Das war der Beginn deiner Laufbahn als Daseinsanalytiker. Du absolviertest deine Ausbildung am Institut in Zürich, lerntest bei Alois Hicklin, Gion Condrau und auch Medard Boss, begannst eine zweite Analyse bei Jaqueline Bodenheimer, da du auch noch die Erfahrung mit einer Frau als Analytikerin machen wolltest. Während dessen schlossest du 1974die zweite Facharztausbildung für Kinderpsychiatrie und -neurologie ab und verbrachtest ein Jahr in England, Schweden und Holland, um verschiedenen Kinder-neurologische Institute kennen zu lernen. Seit 1975 besitzt du die Berechtigung psychotherapeutisch zu arbeiten, 1982 erhieltest du schließlich das daseinsanalytische Diplom, ein Jahr später wurdest du zum Lehranalytiker ernannt. In Zürich bautest du unter Prof Herzka 1982-1985 die Kinderpsychiatrische Tagesklinik mit auf, dann wendete sich dein Interesse den Erwachsenen zu und du wechseltest 1987 nach Konstanz, als Leiter der psychotherapeutischen Station im Landeskrankenhaus. Um diese Zeit lerntest du auch deine Frau Katharina, eine Psychiaterin, kennen. Ihr bekamt zwei Söhne, Martin und Johannes, was dein Interesse an der Kinderpsychiatrie wieder anregte. Ihr ließest euch schließlich in Bottighofen am Bodensee nieder und dein beruflicher Weg führte dich nach Münsterlingen, wo du in Thurgau die Tagesklinik leitetest, bis du in den Ruhestand gingst.
Mit dieser Aufzählung deines Werdegangs werde ich deinem Leben und deiner Wirkung natürlich nicht gerecht. So Vieles muss unerwähnt bleiben oder zu kurz kommen. Deine Begeisterung für Kunst und Natur, deine Liebe zur Dichtung und Literatur, zu der dich Herbert Schweizer, dein Deutschlehrer in der Oberstufe, in der nur kurzen Zeit, die er dich unterrichteten konnte, angeregt hat, dein Angesprochen-sein von Musik, die vielen Texte, einen Schrank in deinem Arbeitszimmer füllen sie, die du als Antwort auf die Musik von Johann Sebastian Bach geschrieben hast. Was dich an Musik, Kunst, Dichtung und Literatur berührt und anspricht, konntest du mit Hilfe des hermeneutisch-phänomenologischen Zugangs seinem und deinem Wesen gemäß verstehen und beantworten. Auch dies war übrigens ein Grund für dich, den Weg zur Daseinsanalyse zu machen.
Viele Menschen haben bei dir Seminare gemacht, eine Lehranalyse absolviert, die Supervision besucht. Kaum einer oder eine von uns Daseinsanalytikern und Daseinsanalytikerinnen bzw. den Menschen, die sich der Daseinsanalyse nahe fühlen, blieb vom Einfluss deines Denkens und Lehrens unberührt. Dies gilt vor allem für den deutschen Sprachraum, aber auch international warst du rege tätig, mit einer Vielzahl von Vorträgen auf verschiedenen Kontinenten.
Allen zuvorderst sei aber das Österreichische Daseinsanalytische Institut in Wien genannt, von dem ich komme, und das ohne dich nicht das wäre, was es heute ist. 1990 wurde Österreichische Gesellschaft für Daseinsanalyse, die ÖGDA gegründet, die Gründungsversammlung setzte sich aus den wichtigsten Vertretern der Daseinsanalyse und renommierten Philosophen zusammen. Augustinus Karl Wucherer-Huldenfeldt wurde der Präsident. Dieter Foerster, dein Weggefährte und Kollege aus den Tagen in Zürich, war hier ebenso beteiligt, wie Günther Pölnter, Alois Hicklin, Gion Condrau, Karl Baier und Helmut Vetter. 1995 dann wurde es zum Österreichischen Daseinsanalytischen Institut (ÖDAI), einer dessen Ehrenpräsidenten du mittlerweile bist. Auch im Prozess der Anerkennung der Daseinsanalyse als Fachspezifikum und psychotherapeutischer Richtung hattest du wesentlichen Anteil, denn viele Schriften und mussten dem Antrag beigelegt und über einen längeren Zeitraum auch immer wieder Hearings im Psychotherapiebeirat des österreichischen Gesundheitsministeriums absolviert werden. Schließlich, 2004, war es so weit, und am ÖDAI ausgebildete Daseinsanalytiker und Daseinsanalytikerinnen durften sich von nun ab Psychotherapeutinnen bzw. Psychotherapeuten nennen. Das war ein großer Durchbruch für die Daseinsanalyse in Österreich. Seit 1995 warst du regelmäßig bei uns, hast Vorträge an der Universität Wien und bei verschiedenen Tagungen gehalten, aber vor allem die Ausbildung am Österreichischen Daseinsanalytischen Institut wesentlich mitgestaltet. Bis zu sechs Mal im Jahr bist du über 25 Jahre lang regelmäßig nach Wien gereist, um das wichtigste Wochenendseminar am Institut zu leiten und Supervisionen zu geben. Alle in Österreich ausgebildeten Daseinsanalytikerinnen und Daseinsanalytiker sind von dir beeinflusst und geprägt, ausnahmslos. Erst die Corona-Pandemie beendete abrupt und schmerzhaft diesen regelmäßigen Zyklus. Hans Dieter Foerster bezeichnete dies als das „Ende einer Ära“, und ich kann ihm nur zustimmen. Immerhin konnten dich mittlerweile einige von uns für online Supervisionsstunden gewinnen und du warst auch einverstanden, mit mir gemeinsam ein online Literatur-Seminar für die Ausbildungskandidatinnen und -kandidaten zu deinem letzten Buch zu geben. So haben wir dich noch immerhin ein bisschen bei uns, was für uns einen unschätzbaren Wert hat, von dem du sicherlich, in typischer Bescheidenheit, eigentlich lieber nichts hören willst.
2021 ist dein neuestes Buch, Sehen und Hörenlassen, was ist – die phänomenologisch-hermeneutische Methode der Daseinsanalyse[3] erschienen, eine Sammlung von Texten aus vier Jahrzehnten.
Jeder Mensch, der mit Psychotherapie zu tun hat, kann vom Erfahrungs- und Gedankenreichtum dieses Buches angesprochen und inspiriert werden. Das gilt insbesondere auch für schon lange tätige Daseinsanalytikerinnen und Daseinsanalytiker, die in den verschiedenen Texten immer wieder erinnert, vielleicht auch bestätigt und aufmerksam werden, was die Kraft und die Tiefe dieser Methode und Haltung dem Menschen gegenüber ausmachen. Du erweist dich - für alle, die dich kennen, wohl nicht überraschend – einmal mehr als jemand, dem die Sache ernst ist. Gesammelt aus deiner schreibenden, lehrenden und referierenden Tätigkeit in vier Jahrzehnten als Daseinsanalytiker und Arzt liegt nun vor, was dich einmal mehr als den kompromisslosen Denker und Praktiker der Daseinsanalyse zeigt, der sein Leben lang dem Phänomen des menschlichen Daseins als Erscheinungsstätte in einer Mitwelt mit anderen nachgedacht hat. Dies allerdings nicht in der Weise des rechnenden Denkens, wie es die Naturwissenschaften vertreten, sondern stets besinnlich in einem Denken, das vom Sein angesprochen und ihm ereignishaft antwortend zugewandt ist. Das macht die Klarheit, Unmittelbarkeit und die auf das Wesen von Ding und Mensch achtende Herzenswärme dieser Texte aus, welche in ihrer Vielfalt und Dichte einen wahren Schatz darstellen, und dies nicht nur, weil sie dem Lesenden einen unschätzbaren Reichtum des Sehen- und Hörenlassens nahe kommen lassen, sondern auch in der Dichte von Denken und Sprache über so viele Jahrzehnte hinweg mit erstaunlicher Treue bei der Sache bleiben, um die es der Phänomenologischen Hermeneutik geht.
Nun stehe ich heute hier, als deine Schülerin, Freundin und mittlerweile selbst Daseinsanalytikerin. Ich bringe zur Sprache, was ich in dieser Weise nur zur Sprache bringen kann, weil ich so viel von dir gelernt habe.
In den Jahren meiner Ausbildung am Institut in Wien, in denen auch unsere freundschaftliche Verbindung immer mehr gewachsen ist, habe ich oft mit Dankbarkeit erkannt, dass ich in dir einen echten Mentor habe und das Glück, alles über die Daseinsanalyse auf diese Weise noch tiefer und fundierter, im Vertrauen und der Sicherheit einer mitmenschlichen Beziehung von dir lernen zu können. Für das möchte ich dir an dieser Wegmarke, dieser kleinen Rast auf unserer gemeinsam bisher zurück gelegten Lebenstrecke ganz besonders danken.
Du schreibst in deinem vor sieben Jahren von Tamás Fazekas herausgegebenen Buch mit dem Titel: „Anspruch und Entsprechen von Kunst, Gemüt und Religion. Besinnung aus daseinsanalytischer ärztlicher Sicht“[4], in dem Kapitel zur Beziehung von Künstler und Werk, folgendes bezüglich unserer Lehrerinnen und Lehrer:
„Der See und die Sonne, der Wald und die Sterne, das Kornfeld und der Mensch sprechen mich an, wenn ich auf sie achte. Unsere verschiedenen Lehrer haben uns Wissen und Welten vermittelt, aber sie überließen es uns, diese Kenntnisse in eine Beziehung umzuwandeln, in der die Dinge selbst mit uns zu sprechen begannen und so unsere eigenen Welten entstanden.“
Ich denke, die Menschen hier im Raum, die dich schon ganz bei deiner Sache erlebt haben, wissen, dass du so ein Lehrer bist. Nicht nur wir, die deine Schülerinnen und Schüler waren, sondern auch jene, die selbst lehren und dich als Kollegen kennen. Alle sind angesprochen von der Tiefe deiner Liebe zur Daseinsanalyse. Liebe meint hier (ich borge mir diesen Gedanken von Martin Heidegger[5]), einer Sache ihr Wesen zu schenken, sie ins Erscheinen, ins scheinendste Scheinen zu bringen, aber in Verbindung damit, dass du in diesem Vollzug auch deinem ureigensten Wesen entsprichst und damit ganz als der, der du im Grunde bist, selbst ins Erscheinen kommst.
In den letzten Zeilen deines Buches schreibst du: „Das ins Werk gefügte Scheinen ist das Schöne“[6]. Und „am ursprünglichsten begegnen wir dem Schönen in den Menschen, die wir lieben und die uns lieben, ja in der Liebe selber, in der offenen Weite unseres Daseins“[7].
Das möchte ich mir zu Herzen nehmen und es hier, heute, anlässlich deines 85. Geburtstags - auch wenn das letzte Wort noch lange nicht gesprochen ist - dein Vermächtnis nennen.
Unser aller Leben ist so viel reicher geworden, weil du uns an der liebend offenen Weite deines Daseins immer hast teilhaben lassen.
Vielen Dank!
[1] Rüdiger Safranski: Ein Meister aus Deutschland – Heidegger und seine Zeit, 448
[2] Johann Georg Reck: Sehen- und Hörenlassen, was ist, 115f
[3] Johann Geoerg Reck: Sehen- und Hörenlassen, was ist
[4] Johann Geoerg Reck: Anspruch und Entsprechen von Kunst, Gemüt und Religion. Besinnung aus daseinsanalytisch ärztlicher Sicht. Hrsg. Tamás Fazekas, Manus, 2016
[5] Martin Heidegger: An den Humanismus
[6] Martin Heidegger: Der Ursprung des Kunstwerks (1977), in ders.: Holzwege. Gesamtausgabe Band 5, Klostermann, Frankfurt am Main S. 43 in Johann Georg Reck 2016, herausgegeben von Tamás Fazekas, S.119
[7] Augustinus Karl Wucherer-Huldenfeld (1997): Ursprüngliche Erfahrung und personales Sein, Band 2 – Atheismusforschung, Ontologie und philosophische Theologie, Religionsphilosophie. Böhlau, Wien S. 448 in ebd., S.119
English Version:
11th International Forum of Daseinsanalysis
Zurich, 2nd of June 2023
Charlotte Aigner
Laudation for Johann Georg Reck
aMy dear Hansjörg, dear listeners!
Today I have the great privilege to honor Johann Georg Reck on his 85th birthday.
Honoring such a long life does not only mean remembering and enumerating what has been: experiences, accomplishments, and the journey. It also means, in reflection upon what has been, what we have shared and experienced together, to become aware of how it has influenced and shaped us and how it contributes to who we are. It also means to recognize and appreciate the impact you have had and continue to have on us through your life, your work, and your passion for Daseinsanalysis.
As we reflect on our lives on days like today, we start to notice the peculiar nature of time. We marvel at the strange property of chronological time, which makes the past stretch seem to have passed by in a flash. Nevertheless, if we look, with more attention and gathering (Sammlung), at the temporality of existence, we become aware that what has been (das Gewesene), what is present, and what is to come are equally original (gleichursprünglich) and always there. It is simply a matter of the time we have that is gifted to us and during which we are needed to serve with our SEIN as a place of appearance (Erscheinungsstätte). The Being needs us now, when we become older, not less than in our 20th or 30th, no, I think, in this sense, there is no age at all, the “event” (das Ereignis) prevails unbreakably up to our last breath, and so long we also stand in its claim and encouragement (Zuspruch), behave to it, out of the Being to the Being (aus dem Sein zum Sein).
To appreciate your long and active Being-in-the-world, a few words about your background may be necessary. You were born in Kempten in the Allgäu on the 4th of May in 1938 in a turbulent time because a little more than one year later, in September 1939, the Second World War began. At the time of the “Unconditional Surrender” your seventh birthday was only a few days past. At this time also falls the first encounter of Medard Boss with Martin Heidegger's work Being and Time (Sein und Zeit)[1], so essential for the Daseinsanalysis, which he studied at his post during the war. In 1947, you were a school kid. He wrote his first letter to Heidegger, "who answered kindly and asked for small chocolate packets", which probably also would have pleased you then. In 1949, you were eleven years old, Medard Boss came to Todtnauberg for the first time. Between Martin Heidegger and him, a cordial friendship developed from the letter partnership, which, from the point of view of the Daseinsanalysis, reached its climax in the ten years, 1959-1969, of the Zollikon Seminars (Zollikoner Seminare[2]) regularly taking place in Boss house.
Martin Heidegger valued his friendship with this Physician, who was addressed by his thinking and seemed to understand it. Medard Boss on the other hand thought that Heidegger saw the possibility "that his philosophical insights would not remain stuck only in the parlors of philosophers, but could benefit much more people and especially such in need of help."[3]
At the end of the 60s, you had not yet finished your pediatric training, and at a conference in Veyvey on Lake Geneva, the Child Psychiatry started to address you. Your interest in mental processes had accompanied you throughout your studies. It increased during your pediatric training, as you write, "especially when working with infants who could not yet speak, but who nevertheless spoke to you. What was going on in them when they smiled at us, chatted, cried?" [4] Could you understand this with conventional scientific methods? You wondered if one could not understand their averbal speech as a response, "like any speech”, and therefore also look at what the claim (Anspruch) was to which this was the response. This brought the infants' relationships into view, their closest contact persons (Bezugspersonen). You write that this way you came to Daseinsanalysis, which "instead of objectifying, lets things speak for themselves.”[5]
As a finished pediatrician, in 1972, you decided to go into child psychiatry. The provocative aspect of Medard Boss Outline of Medicine and Psychology (Grundriss der Medizin und Psychologie) appealed to you because, influenced by science, as you were at the time, you felt challenged. You liked how Boss entered the world of the patients instead of judging or objectifying them from the outside. You paid attention to the footnotes with the references to Being and Time, also got this book, and now started to listen to lectures by Friedrich Wilhelm von Herrmann in Freiburg in the evenings.
As Medard Boss wrote to Martin Heidegger more than 20 years before, you now wrote a letter to Medard Boss and asked him about his view on Child Psychiatry in Daseinsanalysis. Boss showed himself open and interested, invited you to Zurich, and persuaded you to begin a training analysis with him. That was the beginning of your career as a Daseinsanalyst.
During your training at the Institute in Zurich you studied under Alois Hicklin, Gion Condrau and Medard Boss. In addition you underwent a second analysis with Jaqueline Bodenheimer to gain the perspective of a female analyst and further develop your self-experience. During this time, in 1974, you completed the second residency in Child Psychiatry and Neurology. You spent a year in England, Sweden, and Holland to get to know different Child Neurological Institutes. You have been licensed to practice psychotherapy since 1975 and finally received the Daseinsanalytic diploma in 1982.
After a year you were given the role of a teaching analyst. You assisted in establishing the Child Psychiatric Day-Care Clinic (Kinderpsychiatrische Tagesklinik) in Zurich under Prof. Lutz from 1982 to 1985. Later you shifted your focus to working with adults and became the head of the Psychotherapeutic Ward at the regional hospital in Constance in 1987. At that time, you met your wife, Katharina, who is also a psychiatrist. You had two sons, Martin and Johannes, which reawakened your interest in Child Psychiatry. You settled in Bottighofen on Lake Constance, and your professional path eventually led you to Münsterlingen, where you supervised and led the Day Clinic in Thurgau until you retired.
With this enumeration of your career I cannot do your life and impact justice. So many things must remain unmentioned: your passion for nature, your interest in art, your love of poetry and literature, to which you were inspired by Herbert Schweizer, your German teacher in the upper school, in the only short time he could teach you.
Using the hermeneutic-phenomenological approach, you could understand and respond to whatever touches and appeals to you in music, art, poetry and literature, according to your nature. This is also why you have chosen the path of Daseinsanalysis.
Your teachings and ideas have greatly impacted many Daseinsanalysts and those identifying and feeling close to Daseinsanalysis. This is particularly evident in German-speaking regions, but your international presence through numerous lectures on various continents also had a significant reach.
First and foremost, however, I would like to mention the Austrian Daseinsanalytic Institute in Vienna, from which I come and which would only be what it is today with you. In 1990 the Austrian Society for Daseinsanalysis, the ÖGDA, was founded. The founding assembly consisted of the most important representatives of Daseinsanalysis and renowned philosophers. Augustinus Karl Wucherer-Huldenfeldt became the president. Dieter Foerster, your companion and colleague from the days in Zurich, was also involved as were Günther Pölnter, Alois Hicklin, Gion Condrau, Karl Baier and Helmut Vetter. Then in 1995, it became the Austrian Daseinsanalytic Institute (ÖDAI) of which you are now one of the honorary presidents. You also played an essential role in the process of recognition of Daseinsanalysis as a specialized field and psychotherapeutic direction (Fachspezifikum) because many papers had to be enclosed with the application and, over a long period, you also repeatedly attended hearings in the Psychotherapy Advisory Board of the Ministry of Health in Austria (Psychotherapiebeirat). Finally, 2004, the time had come, and Daseinsanalysts trained at the ÖDAI were allowed to call themselves psychotherapists. This year was a significant breakthrough for Daseinsanalysis in Austria. Since 1995 you have been with us regularly, giving lectures at the University of Vienna and various conferences. However, above all, you have significantly shaped the training at the Austrian Institute. For more than 25 years, you regularly traveled to Vienna up to six times a year to lead the essential weekend seminars at the Institute and to give supervision.
Without exception, you have influenced and shaped all Daseinsanalysts trained in Austria. However, the Corona Pandemic abruptly and painfully ended the regular cycle. I agree entirely that Hans Dieter Foerster referred to this as the end of an era. In the meantime some of us convinced you to offer online supervision lessons. Additionally you agreed to collaborate on an online literature seminar with me for training candidates based on your latest book. This has been invaluable to us, even though you may not want to hear about it due to your typical modesty.
Two Years ago your latest book Seeing and Hearing what is - the Phenomenological-Hermeneutic Method of Daseinsanalysis (Sehen und Hörenlassen, was ist - die phänomenologisch-hermeneutische Methode der Daseinsanalyse), a collection of texts from four decades, was published.
Every person involved in psychotherapy can be addressed and inspired by the richness of experience and thought in this book. This is especially true for Daseinsanalysts who have been working for a long time. The various texts will remind them repeatedly, confirm them, and make them aware of the power and depth of this method and attitude toward human beings. It's clear to anyone who knows you that you take matters seriously, which is evident again in your extensive work as a Daseinsanalyst and physician. Your writings, teachings and lectures over the past 40 years demonstrate that you are an uncompromising thinker and practitioner of Daseinsanalysis, dedicated to exploring the phenomenon of human existence as a place of appearance (Erscheinungsstätte) in a with-world with others. This, however, is not in the way of calculating thinking as the natural sciences represent it, but always contemplatively in thinking, which is addressed by the Being and is turned to it eventfully answering. This is what accounts for the clarity, immediacy, and warmth of heart that pays attention to the essence of the thing and the human being in these texts, which in their diversity and density represent a true treasure, and this is not only because they allow the reader to come close to an inestimable richness of seeing and hearing, but also because in the density of thought and language over so many decades they remain with astonishing fidelity to the matter that is at stake in phenomenological hermeneutics.
During my training at the Vienna Institute, our friendship grew stronger, and I am grateful to have you as a mentor. I am fortunate to learn everything about Daseinsanalysis from you in a deep, secure and trusting human relationship. As we reach this milestone on our journey together, thank you for your guidance and support.
In your other book published seven years ago by Tamás Fazekas with the title: Claim and Respond of Art, Mind, and Religion. Reflections from a Daseinsanalytical Medical Perspective (Anspruch und Entsprechen von Kunst, Gemüt und Religion. Besinnung aus daseinsanalytischer ärztlicher Sicht[6]), in the chapter on the relationship between the artist and the work, you wrote the following regarding our teachers:
"The lake and the sun, the forest and the stars, the cornfield and the human being speak to me when I pay attention to them. Our various teachers gave us knowledge and worlds, but they left us to transform that knowledge into a relationship in which things themselves began to speak to us, creating our own worlds."
The people in this room who have experienced you entirely doing your thing know that you are that kind of teacher; not just us who have been your students, but those who teach themselves and know you as colleagues and friends. The depth of your love for Daseinsanalysis addresses all.
Love means here (I borrow this thought from Martin Heidegger) to give a thing its essence, to bring it into appearance[7], into the most apparent appearance, but in connection with the fact that in this accomplishment, you also correspond to your very own essence and thus come into appearance completely as who you basically are.
In the last lines of your book, you write: "The appearing put into the work (Werk) is beautiful. And we encounter the beautiful most originally in the people we love and who love us, indeed in love itself, in the open expanse of our existence".
I want to take this to heart and call it your legacy here again, today, on the occasion of your 85th birthday - even if the last word is far from being spoken.
Our lives have become so much richer because you have always allowed us to share in the lovingly open expanse of your existence, as your presence has enriched our lives greatly by always welcoming us into the warmth and openness of your Being.
Thank you so much!
[1] Martin Heidegger: Sein und Zeit, 1927
[2] Martin Heidegger: Zollikoner Seminare, Hrsg. Medard Boss. 2. Auflage, Frankfurt am Main 1994
[3] Rüdiger Safranski: Ein Meister aus Deutschland – Heidegger und seine Zeit, 1999, 448
[4] Johann Georg Reck: Sehen- und Hörenlassen, was ist – Der phänomenologisch-hermeneutische Ansatz in der
Psychotherapie, 2021, 116f
[5] ibid. p.117
[6] Reck, Johann Georg: Anspruch und Entsprechen von Kunst, Gemüt und Religion - Besinnung aus daseinsanalytischer Sicht. Hrsg. Tamás Fazekas, Wien 2011
[7] Martin Heidegger: Über den Humanismus. In ders.: Wegmarken, GA Band 9 (Collected Works V. 9), p. 316